Säure-Base Messung

Die Überprüfung des Säure-Base-Haushaltes mit der Blutgasanalyse ist eine Standarduntersuchung in der Notfallmedizin um bei einem Komatösen Patienten zu sehen in welche Richtung der Säure-Base-Haushalt vollkommen entglitten ist, um dann entweder mit Trometamol, Natriumbicarbonat oder L-Arginin-HCL dagegen wirken zu können.

www.komstar.ch

Da jegliche Entgleisung nicht mit dem Leben vereinbar ist und bei Auffälligkeiten in der Blutgasanalyse die Patienten meist schon nicht mehr ansprechbar sind, ist für die Diagnostik bei chronisch Kranken eine andere Untersuchungsmethode notwendig. Der Körper hat zur Verhinderung des Super-GAU´s zahlreiche Puffer im Blut. Mit der Pufferkapazitätsmessung nach Jörgensen und Dr. Limburg-Stirum wird durch ein Titrationverfahren eben dieser Puffer gemessen. Ist dieser Puffer stark vermindert, versucht der Körper diesen durch körpereigene Mineralien aufzufüllen und er lagert Säuren im Bindegewebe ab, wo sie mit der Blutgasanlyse ebenfalls nicht nachzuweisen sind. (Siehe auch Patienteninfo "Sauer macht Lustig, aber auch manchmal Krank") Im übertragenen Sinne kann man die  Pufferkapazitätsmessung mit einem Belastungs-EKG verglichen, die Blutgasanalyse mit einem Ruhe-EKG.

Untersuchungsmethode

Diverse Abklärungsverfahren haben sich eingebürgert, allen voran die Urin-pH Messung. Kenner der Säurebasen-Biochemie wissen nur zu gut, dass diese Methode keine zuverlässige Aussage bieten kann, da die normale Nierenfunktion gerade darin besteht, Säuren auszuscheiden. Dass wir heute ein praxistaugliches Instrument zur Verfügung haben, um den SBH zuverlässig und umfassend, zudem patientenschonend zu evaluieren, verdanken wir in erster Linie Hans Heinrich Jörgensen. Er titrierte Vollblut und Plasma auf den pKs vom Bicarbonatsystem herunter (pKs 6.1), um so ein Mass für die Gesamtpufferkapazität zu erhalten. Nun nach 10jähriger intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit und Praxiserprobung ist die Methode zu einer unverzichtbaren Analyse für eine Kontrollierte Säurebasen-Therapie geworden. Sie ist wegen der manuellen Titration sehr Zeitaufwendig und muss unverzüglich nach Blutabnahme geschehen.

Die Venöse-Blut-Titration

Dem frisch abgenommenen Blut und Plasma wird Salzsäure tropfenweise hinzugegeben und fortlaufend der pH gemessen (sog. Titration). Je rascher der pH Abfall, desto kleiner die Pufferkapazität.

Patientenbeispiel

Die Computerauswertung weist auf eine kombinierte Azidose hin. Der grüne Punkt entspricht der Koordinaten der Schnittpunkte des Plasmapuffers (blaue ausgezogene Linie) mit der X-Achse und des Vollblutpuffers (rote ausgezogene Linie) mit der Y-Achse. Die unterbrochene blaue Linie zeigt das notwendige Bicarbonat für ein normales Blut-pH, die rote den normalen Vollbluttitrationsverlauf angepasst an das Hämatokrit. Messtechnisch bedingt ist der Norm-pH etwas höher angesetzt. In der graphischen Darstellung entsprechen die Normwerte der grünen Mittelachse. Damit gilt: Je kleiner die Balken, um so normaler die Messung. Allgemein zu beachten: Alle Bewegungen nach oben sind mit alkalotischem und nach unten mit azidotischem Verhalten assoziiert.

Erstmessung
Nach 4 Baseninfusionen

 

Die Patientin hat sich nach der Behandlung deutlich kräftiger gefühlt, konnte besser atmen (s. H2CO3!) und der AZ verbesserte sich (Lebensqualität!). In der Säulengraphik auffällig, die Verbesserung der Sauerstoffutilisation von anaerob zu normal aerob, sowie die Kompensierung der Azidose.

Messwertanalyse

 

Beschreibung der Untersuchungsmethode

Wasserbad mit 37 Grad

Die Untersuchung wird bei Körpertemperatur durchgeführt.

Kalibrieren des Gerätes

Vor jeder Untersuchung muss das Gerät geeicht werden.

Reinigung des Messstabes

Messstab wird mit Aqua dest. gespült und trockengetupft

  • nach jeder Kalibration
  • vor erster Vollblutmessung
  • vor erster Plasmamessung

Beschriftung

Röhrchen für die Hämatokritmessung und Serumröhrchen

Blutentnahme

davon:

  • 10ml Vollblut in Röhrchen mit Liquemin
  • Röhrchen für die Bestimmung des Hämatokritwertes füllen.

 

Liqueminisierung

Drei Tröpfchen Liquemin werden in das Röhrchen gegeben.

Transfer

2ml Liquemin-Vollblut abpipettieren und ins Wasserbad bei 37 Grad stellen.

Plasmagewinnung

Restvollblut zentrifugieren 3000 RPM10 Minuten

Erste Messung

Titration

Titration

Messwerte notieren

Titration und Messung werden 6x durchgeführt.

Plasmaentnahme

Pipettierung

Vom zentrifugiertem Blut werden 2ml Plasma abpipettieren.

Plasmatransfer

Serumröhrchen wird analog der Vollblutmessung ins Wasserbad stellen.

Messung der Titrationsschritte

Die Plasmaprobe wird analog dem Vollblut gemessen.

3 Titrations-durchgänge, 
Werte werden notiert

Eingabe in das Computerprogramm Buffy

Eingabe:

  • Patientendaten
  • Titrationsmesswerte
  • Hk
  • Gewicht in KG

Die gesamte Messung dauert bis zum fertigen Ausdruck der Ergebnisse ca. 30 Minuten.

Folgende Analyse-Interpretationen werden berechnet:

  • Plasma- und Vollblutkurven Trendberechnung mittels linearer oder exponentieller Regression
  • Darstellung des Säurebasenzustandes:
    Normal / Kompensiert - Dekompensiert /
    Azidose - Alkalose /
    Metabolisch - Respiratorisch
  • Berechnung vom Sauerstoff-Utilisationsindex nach van Limburg Stirum, Korrelationsgraphik
  • Therapie-Entscheidungshilfen bzgl. Säurebasen, Redox und Aderlass
  • Infusionsmengenberechung:
    Natriumbicarbonat bei metabolische Azidosen Arginin-HCl oder Lysin-HCl bei metabolischen Alkalosen
  • Zielhämatokrit geschlechtsspezifisch
  • Initiale Säureresistenz als Risikoindikator für chronische und intrazelluläre Säurebelastung
  • Berechnung der respiratorischen Komponente aus der Henderson-Haselbalchschen Gleichung
  • Automatische statistische Auswertung der Messgenauigkeit
  • Individualisierter Säurebasen-Normbereich und Plasma-Referenzlinie passen sich dem Hämatokrit automatisch an.
  • Datenbankfunktion mit jederzeit abrufbarer statistischer Auswertung
  • Farbige übersichtliche Darstellung